Hamburger Abendblatt
 
Ahrensburg
25. Juli 2005

Ein nasses Küßchen für Vincent

Tremsbüttel: Die zweite Delphintherapie hat dem Fünfjährigen sehr geholfen.

Von Jens Peter Meier

Der kleine Vincent Brenner (5) ist kaum wiederzuerkennen. Der schwerbehinderte Tremsbütteler kann inzwischen viele Schritte ohne Hilfe laufen, er ist fröhlich und manchmal fast übermütig. Zwei Wochen Therapie mit dem Delphin Mateo und seinem Trainer Marco Kürschner (32) in der Karibik haben das Kind einen großen Schritt vorangebracht.

Vincents Behinderung ist - wie berichtet - die Folge einer rätselhaften Erkrankung vor vier Jahren, durch die er zeitweise ins Koma fiel. Danach hatte der Junge viele seiner bis dahin erworbenen Fähigkeiten verloren und war in seiner Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt. Die Schulmedizin konnte ihm bisher nicht helfen. Vincents Eltern ließen nichts unversucht, um ihm zu helfen. Einen großen Entwicklungssprung machte Vincent aber erst nach einer ersten Delphintherapie auf der zu den Niederlanden gehörenden Karibik-Insel Curaçao im vergangenen Jahr. Nur mit Hilfe vieler Spender konnte die Familie diese Reise finanzieren.

Und es wurde weiter gesammelt. Spendenaufrufe in der Ahrensburger Zeitung halfen dabei. Jetzt konnten Vincent und seine Mutter Beate Brenner (35) eine zweite Therapie auf der Insel machen. "Als er den Delphin Mateo sah, strahlte er vor Freude", berichtet Beate Brenner. Im vergangenen Jahr reagierte Vincent noch ängstlich. Jetzt mußte Therapeut Marco Kürschner ihn sogar bremsen.

Vincent macht einen fröhlichen und aufgeweckten Eindruck.

Vincent, der sich an der Rückenflosse des Delphins festhalten sollte, erklomm statt dessen plötzlich den Rücken des Tiers, um darauf zu reiten. "Alle haben Tränen gelacht", erinnert sich Beate Brenner, "Marco sagte: ,Das ist doch nicht dein Pferd vom heilpädagogischen Reiten.'"

Am nächsten Tag wollte Vincent Mateo einen Kuß geben. "Der Therapeut war einverstanden. Vincent war überglücklich darüber", sagt Beate Brenner. Und auch der Delphin machte beim Schmusen mit.

Anders als nach der Rückkehr im vergangenen Jahr macht Vincent jetzt einen aufgeweckten und fröhlichen Eindruck. "Damals hatte er zuerst Muskelverspannungen, war aggressiv und in seiner Entwicklung zurückgefallen", erinnert sich Beate Brenner. Erst nach einigen Tagen zeigten sich die Fortschritte. "Vincent hat in dieser Zeit seine Krankheit noch einmal durchlebt und endlich verarbeitet", ist Beate Brenner überzeugt. Das haben ihr auch die Therapeuten bestätigt.

Die Verspannungen sind weg: Vincent kann ohne Hilfe laufen.

Jetzt sind die Verspannungen fast ganz verschwunden, Vincent kann quer durchs Zimmer laufen. Lieder und Texte kann er präzise wiedergeben, eine weitere Stärke ist sein fotografisches Gedächtnis. "Er setzt inzwischen Puzzles mit 500 Teilen zusammen, da hätte ich ohne eine Vorlage Probleme", sagt seine Mutter.

Jetzt beschäftigt die Familie, wie es mit Vincent weitergehen wird. Im August kommt er in einen neuen Kindergarten. "Er hat einen Platz in der Integrationsgruppe der Kindertagesstätte Brummkreisel in Bad Oldesloe bekommen", freut sich seine Mutter. In seiner ersten Kita sei Vincent nicht optimal betreut worden. "In seiner Gruppe war er der einzige Schwerbehinderte, die anderen Kinder haben ihn geschnitten und gehänselt."

erschienen am 25. Juli 2005

 
Link zu dem Artikel
Fotos aus Curaçao