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Sich einfach "frei" schwimmen...

Delfintherapie – eine große Hilfe für viele behinderte Kinder

Der 6-jährige Vincent Brenner sieht auf den ersten Blick aus wie jeder andere Junge. Tatsächlich aber leidet er unter einer schweren Behinderung. In seinem ersten Lebensjahr entwickelte sich das Kind zunächst völlig normal. Durch eine plötzliche Erkrankung als 1-Jähriger, mit der er zwei Tage in der Uniklinik Lübeck im Koma lag, verlor er alle seine erlernten Fähigkeiten. Dafür haben die Ärzte bis heute keine Erklärung.
Zudem war seine Motorik stark eingeschränkt. Die zahleichen schulmedizinischen Behandlungen zeigten keine Erfolge, so dass sich die Eltern von Vincent nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten umsahen.

Die letzte Hoffnung

Schon bevor Vincent erkrankte, hatte die Mutter einen Bericht über die Therapie mit Delfinen für Kinder mit physischen oder psychischen Behinderungen gelesen. Der hatte sie damals sehr beeindruckt. Sollte das vielleicht auch für ihren Sohn eine Möglichkeit sein, seine rätselhafte Erkrankung zu heilen?

Vincent findet einen neuen Freund

Seine erste Begegnung mit Delfinen, zumindest mit ihren Stimmen, hatte Vincent mit 3 Jahren in einem Therapiezentrum in Bremen. Das löste bei dem zunächst verängstigten Jungen einen enormen Entwicklungssprung aus – seine Muskelverkrampfungen lösten sich, er begann wieder zu sprechen und artikulierte sich nun viel deutlicher. Diese großen Fortschritte überzeugten seine Mutter Beate davon, die richtige Therapie für ihren Sohn gefunden zu haben. Um diese kostspielige Therapie zu finanzieren, war sie allerdings auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Mithilfe zahlreicher Spenden und den Erlösen aus selbst initiierten Aktionen konnte sie für Vincent eine 2-wöchige Therapie finanzieren. Diese sollte in einem neu gegründeten Thera­piezentrum in Curaçao mit Delfin Mateo und Trainer Marco Kürschner durchgeführt werden. Es ist eins der 4 Therapiezentren, mit denen der deutsche Verein „Dolphin Aid“ zusammenarbeitet.
Zu Hause war Vincent dann erst sehr aggressiv und machte in seiner Entwicklung sogar Rückschritte. Sein Verhalten, das seine Eltern zunächst sehr beunruhigte, war ein Zeichen dafür, dass er seine Erkrankung quasi noch einmal durchlebte. Ende Juni bis Ende Juli 2005 fuhr er dann mit seiner Familie zum zweiten Mal nach Curaçao zu Mateo und Marco. Dieses Mal hatte er keine Angst mehr vor dem Delfin, sondern begrüßte ihn stürmisch. In den nächsten Wochen musste ihn der Therapeut sogar oft in seinem Spieldrang bremsen, so übermütig tobte Vincent manchmal mit Mateo.

Therapeutische Übung mit Delfinen

Als Erfinder und Entdecker der Delfintherapie gilt Dr. David Nathanson, ein Psychologe und Verhaltensforscher aus Florida. 1988 gründete er in Florida die so genannte „Dolphin-Assisted-Therapy“ (DAT), eine Therapie, in der dressierte Delfine unter Anleitung eines Trainers im Rahmen einer therapeutischen Übung mit emotional, physisch oder psychisch gestörten Menschen agieren. Dabei findet ein Teil der Therapie meistens im Wasser statt. Laut klinischen Erfahrungen und Forschungen wirken warmes Wasser, Tiere und Musik stimulierend auf die Aufmerksamkeit und damit auf die Lernfähigkeit behinderter Kinder. Die Delfintherapie ist nicht auf eine spezielle Krankheit oder Behinderung zugeschnitten, wird aber häufig bei Kindern oder Erwachsenen mit Down-Syndrom, Autismus oder Cerebralparese angewendet, teilweise auch bei traumatisierten oder im Wachkoma liegenden Patienten.

Die Delfintherapie selbst wird in den verschiedenen Therapiezentren sehr unterschiedlich durchgeführt. Das Besondere an ihr ist die Kombination verschiedener Therapieansätze (Bewegungstherapie, Aqua-Therapie, Familientherapie und Tiergestützte Therapie) durch das Medium Delfin.

Der Mythos von „Flipper“

Warum aber gerade Delfine? Sie sind nicht intelligenter als Menschenaffen und nicht sozialer als Elefanten, viele andere Tierarten zeigen sich mindestens genauso zugänglich gegenüber Menschen. Liegt es vielleicht doch an diesen stets freundlich schauenden Gesichtern, die à la Flipper zu lächeln scheinen? Dieses freundliche Aussehen umgibt sie für viele Menschen mit einer mythischen Aura, zumal zahlreiche Geschichten von Delfinen kursieren, die Menschen gerettet haben sollen.

Delfintherapie regt Selbstheilung an

Es gibt zwar bis jetzt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass allein die Delfine für die Erfolge der „Dolphin-Assisted-Therapy“ verantwortlich sind; dennoch kann diese Therapieform bei ihren Patienten einige Fortschritte erzielen.
Emotionale und physische Blockaden können gelöst werden, kommunikatives Verhalten wird erlernt bzw. verbessert. Insgesamt aktiviert das therapeutische Spiel mit dem Delfin die Selbstheilung der Patienten und trägt dazu bei, dass die Betroffenen aus sich herausgehen. Das Spiel mit dem Delfin im Wasser entkrampft den Patienten und macht ihn zugänglich für die Therapie an Land.

Therapie mit heimischen Tieren

Trotz der enormen Entwicklungsschritte bei den Betroffenen sollte man nicht vergessen, dass dabei die Delfine die Leidtragenden sind. Von Natur aus besitzen sie nämlich einen ausgeprägten Bewegungsdrang, der in den Delfinarien bei weitem nicht gewährleistet ist. Bleibt die Frage, ob denn unbedingt Delfine für die Therapie eingesetzt werden müssen oder ob nicht auch mit heimischen Haus- und Nutztieren ähnliche Erfolge erzielt werden könnten – solche auch finanziell günstigeren Alternativangebote für geistig und körperlich Behinderte existieren bereits seit einigen Jahren in Deutschland. Sie hätten den Vorteil, dass die Therapien deutlich länger in Anspruch genommen werden könnten.

Ein kleines Wunder

Die beiden Delfintherapien haben bei Vincent ein kleines Wunder bewirkt: Er ist fröhlich und aufgeweckt, kann inzwischen wieder kurze Strecken frei laufen und Lieder oder Texte exakt wiederholen. Außerdem hat er ein hervorragendes fotografisches Gedächtnis, beim Puzzeln mit 500 Teilen ist er unschlagbar. Und mit technischen Geräten kann er oft besser umgehen als seine Eltern. Nächstes Jahr soll er eine Körperbehindertenschule in Hamburg besuchen. Das alles wäre ohne den Delfin Mateo und seinen Trainer Marco wahrscheinlich nicht möglich gewesen.Sie haben gemeinsam den Zugang zu Vincent gefunden und ihm geholfen, Stück für Stück die „Normalität“ zurückzuerobern.

Wer gerne noch mehr über die Delfintherapie wissen möchte, kann sich unter folgenden Internetadressen informieren:

www.delphintherapie.orgwww.delphin-therapie.dewww.dolphinswim.net

mb

Artikel aus "mein coop Das kostenlose Einkaufsmagazin", Oktober 05, S.37-39, Online-Artikel hier